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Schnösel

(Newbie)

... hätte das nicht viel früher schon bemerkt werden müssen?
26.10.05, 18:04:09

Peter Schnittger

(Administrator)


Und auch hier einen Antwort aus Bayern:



München, 26. Oktober 2005

Schnappauf für besseren und frühzeitigeren Verbraucherschutz
"Informationsfluss zwischen allen Behörden muss besser werden, um schnellstmöglich falsch deklarierte, ekelerregende oder gesundheitsgefährdende Lebensmittel aus den Regalen entfernen zu können"



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+++ In einem Bericht an das Bundesverbraucherschutzministerium hat Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf sich heute für einen besseren und frühzeitigeren Verbraucherschutz stark gemacht. Um die Ver-braucherinnen und Verbraucher wirksam schützen zu können, ist die gegenseitige und offene Unterrichtung aller Behörden unverzichtbar. Für die Zukunft müsse der Informationsfluss verbessert werden, um schnellstmöglich etwaige falsch deklarierte, ekelerregende oder gesundheitsgefährdende Lebensmittel aus den Regalen entfernen zu können. +++

Im aktuellen Fleischskandal hatten die Zollfahnder in Bayern vorbildliche Ermittlungsarbeit geleistet und das zuständige Bundesfinanzministerium nach eigenen Angaben ''frühzeitig'' informiert. Von dort aus ist das Bayerische Verbraucherschutzministerium jedoch bis heute nicht informiert worden. Es stellt sich die Frage, ob das Bundesfinanzministerium das Bundesverbraucherschutzministerium informiert hat. Das Bayerische Verbraucherschutzministerium hat von dem Verdacht der Umdeklarierung von Schlachtabfällen deshalb erstmals am 11. Oktober Kenntnis erhalten. Und zwar zeitgleich durch das Veterinäramt Deggendorf, das tags zuvor von der Zollfahndung Lindau telefonisch informiert wurde und durch eine Mitteilung des Niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums. Darin hieß es, dass eine niedersächsische Firma eine Lebensmittellieferung aus Deggendorf wegen Untauglichkeit zurückgewiesen hätte. Diesen Informationen ist das Bayerische Verbraucherschutzministerium unverzüglich nachgegangen, hat seinerseits Ermittlungen angestellt, eine landesweite Razzia durchgeführt, die Öffentlichkeit informiert, einen Maßnahmenkatalog erstellt und dessen Umsetzung bei Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin und EU-Kommissar Markos Kyprianou eingefordert. Umfassende Informationen des Zolls über Einzelheiten der Ermittlungen erhielt das Bayerische Verbraucherschutzministerium dann auf Nachfrage am 17. Oktober.

In Bayern werden alle EU-rechtlichen Kontrollpflichten erfüllt. Deshalb hat das Veterinäramt Deggendorf die Deggendorfer Frost GmbH jährlich routinemäßig zwei- bis dreimal nach den EU-Bestimmungen kontrolliert. Bei einer dieser Kontrollen (1. Juli) wurden hygienische und bauliche Mängel festgestellt; bei einer Nachkontrolle am 4. Juli weitere Mängel; ein Bescheid zur Mängelbeseitigung wurde erstellt. Am 25. Juli und am 28. Juli wurde die Behebung der Mängel kontrolliert. Da insbesondere die bauliche Mängelbeseitigung noch nicht fertig gestellt war, wurde die Frist zur Mängelbeseitigung um einige Tage verlängert. Bei der Nachkontrolle am 18. August waren die Mängel immer noch nicht behoben; darüber hinaus bestanden wiederum Defizite in Bezug auf Reinigung und Desinfektion. Deshalb wurde der Betrieb geschlossen und das vorübergehende Ruhen der Zulassung bis zur Mängelbehebung angeordnet. Am 22. August erkundigte sich das Zollkriminalamt Lindau telefonisch nach einem Schreiben des Bundesamtes für Veterinärwesen Bern, da darin die Deggendorfer Frost GmbH genannt sei. Das Schreiben lag und liegt dem Veterinäramt nicht vor. Obwohl das Zollkriminalamt nicht um eine Überprüfung des Betriebs bat, kontrollierte das Veterinäramt von sich aus noch am 22. August und erneut am 23. August die Deggendorfer Frost GmbH erneut. Die beanstandeten Hygienemängel waren zwischenzeitlich jedoch behoben; neue Mängel fanden sich nicht, die Betriebseinstellung musste deshalb aufgehoben werden. Auch eine weitere Nachkontrolle am 20. September ergab nur kleinere hygienische Mängel.

Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand hat die Umdeklaration der Schlachtabfälle zu Lebensmitteln während des Straßentransports stattgefunden. Das erklärt auch, warum die kriminellen Machenschaften trotz der wiederholten Betriebskontrollen nicht aufflogen. Die Ware ist ganz offensichtlich nicht im Deggendorfer Betrieb zwischengelagert worden, sondern direkt per Lkw von Österreich oder der Schweiz zu den außerbayerischen Abnehmern verbracht worden. Die Begleitpapiere wurden offensichtlich auf der Fahrt ausgetauscht.

Der Maßnahmenkatalog Bayerns hat zum Ziel, diese Überprüfungslücke zu schließen und besteht im wesentlichen aus vier Punkten:
1. Die K1-, K2- und K3-Behälter sowie die Begleitpapiere sind europaweit einheitlich und auffällig zu kennzeichnen. Die Behälter müssen mit perforier-ten, farbigen, z.B. roten, gelben und grünen Aufklebern versehen werden; die Begleitpapiere ebenfalls in den gleichen Farben gehalten sein. Eventuell sind die Container zu verplomben.
2. Die für Lebensmitteltransporte geltende Zulassungspflicht muss auf Transporteure von Fleischabfällen ausgeweitet werden.
3. Ein Rückmeldesystem der Begleitscheine ähnlich wie bei der Abfall-verbringung wird eingeführt; d.h. die Kopien werden nach Ankunft der Ware beim Empfänger an den Absender zurückgesandt, um sicherzustellen, dass die Klassifizierung der Ware nicht beim Transport verändert wurde.
4. Das K3-Material sollte mit Lebensmittelfarbe (vgl. Speisesalz und Streu-salz), Fisch- oder Leberaromen für den menschlichen Verzehr ungenießbar gemacht werden.
Weitere Informationen: http://www.lebensmittelsicherheit.bayern.de



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Mit herzlichen Grüßen

Peter Schnittger

Nicht das Optimale ist unser Ziel
- sondern der pragmatische Perfektionismus!


QRPS Management Consulting
Hand-Crafted-Spirits
26.10.05, 18:49:22

michael

(Junior Member)

Guten Morgen zusammen,

vorab möchte ich dank sagen für alle Beiträge hier im Forum. Ich finde den Informationsausstausch wirklich gut und hoffe das hält sich auch recht lange.

Beim durchforsten der Beiträge bin ich beim Thema Fleischskandal hängen geblieben und spürte Frust aufkommen und wollte meine Gedanken mal hier mitteilen.

Ich glaube das die meisten Betriebe in diesen Land sich ihrer Verantwortung bewußt sind und dementsprechend sich abmühen und auch handeln. Davon sollte man einfach ausgehen.

Der Frust kommt, wenn man das so und sovielte Audit vor sich hat, und scheinbar jedes neues Zertifikat sich mit einem neuen "extrabonbon" hervortun muss.

Richtig ätzend wird es dann, wenn der normale Betrieb wie Ihrer und unser sich darum Gedanken machen muss, weil eine Arbeitsanweisung nicht am richtigen Platz vorliegt bzw. gar fehlt und dafür Rede und Antwort steht, wenn es andersrum Betriebe gibt denen allein das Wort Verantwortung ein Fremdwort ist, geschweige denn die Tat.
Wer misst machen will, tut es auf Kosten aller anderen und kommt solange davon bis einer aufbegehrt. Dieser Skandal hier ist auch in seiner Gesamtheit schon kriminell.

Eine Lösung gibt es wahrscheinlich nicht und schwarze Schafe wird es wahrscheinlich immer geben.
Aber muss denn die ganze Industrie mit immer mehr gebeutelt werden, weil einige wenige das Vertrauen mißbrauchen? Kommt da nicht irgendwann die Verhältnismäßig in die Schieflage? Ich glaube wir müssen aufpassen dass nicht nur der Verbraucher denkt, es gäbe nur noch "Gauner", sondern man selber anfängt so zu fühlen, weil ständig noch mehr, noch intensiver, noch häufiger kontrolliert wird?:confused:

IFS, ISO, BRC, QS, GMP und wie sie sonst alle heißen und noch heißen werden (nicht zu vergessen die Kundenaudits)helfen voran zu kommen, das steht ausser Frage. Doch gibt es auch immer mehr Szenarien die von Auditoren nahgebracht werden ("mal angenommen..., es könnte ja sein,..."), nur weil irgendwann, irgendwo, irgendwas passiert ist. Es gibt da Dinge, auf die wären wir von alleine im Traum nicht gekommen, die aber jetzt unbedingt mitbedacht werden sollen (laut Auditor).

(Wie lange dauert es eigentlich bis irgendein Standard vorschreibt, dass alle Gebissträger einen Mundschutz tragen sollen - die sitzen manchmal lockerer als so ein Ohrring zwinkern

Wir wollen das Richtige und Notwendige tun und manchmal auch mal mehr, aber eben auch nicht alles was in der Lebensmittelindustrie denkbar wäre.

So genug des gemaule, wollte es einfach mal loswerden. Gestern war eine Delegation aus China da, nächste Woche kommt Besuch aus Brasilien, die BGN hat sich für den November angemeldet und es bleibt dann immer noch genug Spass für alle übrig. Meine ich wirklich, die ganze Sache macht auch richtig Freude, wenn man die Kirche im Dorf lässt.

in diesem Sinne

27.10.05, 10:20:39

Peter Schnittger

(Administrator)

Ne Kleinigkeit dazu:
In den Nachrichten hier im hohen Norden war gerade ein Bericht, dass auch einige Tonnen des netten, gut zu essenden Fleisches nach den Niederlanden gegangen seien. Dem Betrieb ist es Anhand von Knochensplittern und der etwas verblassten Fleischfarbe eigenartig vorgekommen und hat die Lieferaung zurück gewiesen!

Leider ist von deren Seite eine Info an die Behörden auch erst gegangen, als diese es schon aus eigenen Kräften festgestellt haben...

Mit herzlichen Grüßen

Peter Schnittger

Nicht das Optimale ist unser Ziel
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QRPS Management Consulting
Hand-Crafted-Spirits
27.10.05, 12:33:08

Peter Schnittger

(Administrator)

Das ist ja dann auch nicht so Werbewirksam!

Mit herzlichen Grüßen

Peter Schnittger

Nicht das Optimale ist unser Ziel
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QRPS Management Consulting
Hand-Crafted-Spirits
01.11.05, 14:43:32

Peter Schnittger

(Administrator)

Entnommen aus dem Nesletter von Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz:
Zitat:
Angesichts der jüngsten Äußerungen von SPD und Grünen in Bayern erneuerte Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf seine Forderung nach verbesserter Kennzeichnung und mehr Transparenz bei Schlachtabfällen in Deutschland und der EU. Schnappauf verlangte darüber hinaus einen besseren Informationsfluss und mehr Koordination der Überwachung in Deutschland. Der Bund müsse seine Koordinationsaufgaben verstärkt wahrnehmen. So habe in dem bayerischen Fall die ermittelnde Zollbehörde zwar das vorgesetzte Bundesfinanzministerium informiert; das bayerische Verbraucherschutzministerium sei aber vom Bund über die Ermittlungen nicht informiert worden. Das, so Schnappauf, macht deutlich, dass eine bessere und stärkere Koordination der Überwachung durch den Bund dringend nötig ist. Im Übrigen verwies der Minister auf die dem Bund und der EU zugeleiteten bayerischen Forderungen, die Schlachtabfälle europaweit durch eine verbesserte Kennzeichnung der Behälter, der Begleitpapiere und gegebenenfalls des Materials selbst auffälliger und dadurch leichter kontrollierbar zu machen.


... die entsprechenden Zertifizierungsstandards richtig angewandt, und die Forderung wäre -auf freiwilliiger Basis - erfüllt...

Mit herzlichen Grüßen

Peter Schnittger

Nicht das Optimale ist unser Ziel
- sondern der pragmatische Perfektionismus!


QRPS Management Consulting
Hand-Crafted-Spirits
23.11.05, 17:07:21

Schnitzelmann

(Member)

Das ist doch alles großer Mist!
Würden die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter an den Wareneingang stellen, und nich den Kollegen, der gestern noch an der Frittenbude war, dann würde auch sowas erkannt werden! Und das hat nix mit Gesetzen, Zertifikaten oder anderm Zeug zu tun.
Aber nachdem der gute Deutsche ja kein Geld für sein Essen ausgeben will und die Unternehmen nur nach an Profitgier leiden müssen wir wohl damit leben.

Mein Schnitzel kontrolliere ich auf alle Fälle selber!

Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgendjemand ein wenig billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden gerechte Beute solcher Machenschaft. [John Ruskin]
29.11.05, 09:10:44
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